Heimat- und Verkehrsverein Asse (HVA)
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Pilze in der Asse

Wie andere Organismen auch, stellen Pilze an ihre Umgebung bestimmte Anforderungen oder zeigen besondere Vorlieben. Klima, Höhenstufe, Mikroklima, Feuchtigkeit, Temperatur, Substrate, Mykorrhizapartner, Bodenverhältnisse oder geologische Gegebenheiten sind wichtige Kriterien, die ein Ansiedeln von Pilzen ermöglichen oder verhindern.

Der Laubholz-Harzporling (Ischnoderma resinosum) ist ein Pilz des Spätherbstes und der milden Winter. Bevorzugt wächst er an liegenden Stämmen und Stubben der Rotbuche.

Wer es nicht nur auf Speisepilze abgesehen hat, wird das ganze Jahr über Pilze in der Asse beobachten können. Weit über 250 verschiedene Pilzarten sind für den Höhenzug bekannt. Wandern wir in Gedanken durch das Jahr: In der Blütezeit der Buschwindröschen lässt sich der an den Rhizomen der Pflanze parasitierende Anemonenbecherling (Dumontinia tuberosa) beobachten. Im April und Mai wachsen Spitzmorcheln (Morchella elata) und Mairitterlinge (Calocybe gambosa). Betrachten Sie einmal den Stubben einer Rotbuche (Fagus sylvatica) genauer. Je nach Zersetzungsgrad können Sie Schmetterlingsporling (Trametes versicolor), Brandkruste (Kretzschmaria deusta), Angebrannter Rauchporling (Bjerkandera adusta), Grünblättriger Schwefelkopf (Hypholoma fasciculare), Geweihförmige Holzkeule (Xylaria hypoxylon) und weitere Arten entdecken. Die schwarzen Flecken auf der noch nicht zersetzten Stubben-Scheibe werden von dem für Rotbuchen typischen Hyphomycet Bispora antennata (Syn. B. monilioides) gebildet. Weil er wie ausgespritzte Tinte aussieht, hat er die deutsche Bezeichnung Tintenstrichpilz bekommen.

An den glatten Stämmen lebender Rotbuchen sind häufig schwarze Streifen und Flecken auf der Rinde zu beobachten. Buchen-Rindenschorf (Ascodichaena rugosa) heißt der Pilz. Er wird von Schnecken auf der Rinde verbreitet. Anhand des Pilzes kann man etwa abschätzen, wie hoch Schnecken am Stamm kriechen.

Ahorn-Runzelschorf (Rhytisma acerinum): Ein Parasit, dem man seine pilzliche Natur nicht sofort ansieht. Die Sporen reifen erst auf den abgefallenen Blättern und infizieren dann im Frühjahr den neuen Blattaustrieb.

Ab August beginnt dann bei ausreichender Feuchtigkeit die Saison der Pilze. Verschiedene Arten aus den Gruppen Röhrlinge (Boletus, Leccinum, Xerocomus), Knollenblätterpilze (Amanita), Milchlinge (Lactarius) sowie die oft farbenfrohen Täublinge (Russula) bevölkern den Boden unter den Bäumen, mit denen sie eine Mykorrhiza – eine spezielle Symbiose -  eingehen. Die Gattung Russula ist mit mindestens 12, die Gattung Lactarius mit 9 verschiedenen Arten in der Asse vertreten. Hochsaison der Pilze sind die Monate September und Oktober. Die Vielzahl der Arten und die Masse der Pilze sind dann kaum noch überschaubar.

Es lohnt sich, auch einmal einen Blick nach oben zu werfen. Hoch am Stamm bildet der Zunderschwamm (Fomes fomentarius) seine mehrjährigen, konsolenartigen Fruchtkörper aus. Er zerstört das Holz in Form einer Weißfäule. Vielleicht entdecken Sie auf den Blättern des Berg- oder Spitzahorns auch schwarze, münzengroße Flecken: Ein Parasit, der als Ahorn-Runzelschorf (Rhytisma acerinum) bezeichnet wird.

Die Steife Koralle (Ramaria stricta) wächst gern an vergrabenem oder bereits stark zersetztem Holz.

Im Spätherbst erscheinen dann Mönchskopf (Infundibulicybe geotropa, Syn. Clitocybe geotropa), Kaffeebrauner Gabeltrichterling (Pseudoclitocybe cyathiformis), Nebelkappe (Clitocybe nebularis), Herbstlorchel (Helvella crispa), Austernseitling (Pleurotus ostreatus) oder der einjährige, holzabbauende Laubholz-Harzporling (Ischnoderma resinosum). Der Porling wächst gern an toten, liegenden Stämmen der Rotbuche und verströmt an manchen Tagen einen süßlichen Duft, der oft meterweit zu riechen ist. Die Art kommt in den Laubwäldern in der Region Braunschweig-Wolfenbüttel-Helmstedt häufig vor; im Gegensatz zu Aussagen im Internet über seine Seltenheit in anderen Gebieten Deutschlands.

Auch in Niedersachsen nicht häufige Arten sind in der Asse zu finden: Der Orangeseitling (Phyllotopsis nidulans), der Satansröhrling (Suillellus satanas, Syn. Boletus satanas) und der Gezonte Ohrlappenpilz (Auricularia mesenterica).

Selten sind so vielfältige Gegebenheiten für ein Vorkommen von Pilzarten mit unterschiedlichen Ansprüchen auf derart kleinem Raum gegeben. Daher ist mit den bislang dokumentierten Arten das Pilzvorkommen der Asse längst nicht erschöpft. Auf kartierende Mykologen wartet noch viel Arbeit.

Harry Andersson, Braunschweig

Literatur

  • Heinz Butin, Franz Nienhaus, Bernd Böhmer: Farbatlas Gehölzkrankheiten: Ziersträucher und Parkbäume. 3. Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart 2003ISBN 978-3-8001-6413-4, S. 287.
  • German Josef Krieglsteiner: Verbreitungsatlas der Großpilze Deutschlands (West). Schlauchpilze. 1 Auflage. 2, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 1993ISBN 3800133199, S. 596.

  • Ewald Gerhardt: Der große BLV Pilzführer für unterwegs. 1200 Arten, 1000 Farbfotos. 6. Auflage. BLV, 2013ISBN 9783835411241, S. 718.

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