Heimat- und Verkehrsverein Asse (HVA)
Heimat- und Verkehrsverein Asse(HVA)

Flora der Asse

Die Flora des Braunschweiger Landes vor 200 Jahren

Vor 200 Jahren schrieb Dr. med. Lüderßen im Braunschweigischen Magazin, in dem er 1812 in mehreren Stücken über die Flora des Braunschweiger Landes berichtete: “Die Asse, ein jedem Naturfreunde unserer Gegend, wegen seiner anmutigen Lage, wohl bekannter und häufig besuchter Berg, im Süden von Braunschweig, zwei Meilen (1 Meile damals 7420,438 m) von dieser Stadt und 3/4 Meile von Wolfenbüttel entfernt, welcher nicht nur für den Botaniker, sondern auch für den Altertumsforscher von Interesse ist, indem sich auf ihm noch die ziemlich bedeutenden Ruinen der alten Asseburg befinden. In botanischer Hinsicht ist dieser Berg sehr wichtig, indem er eine Menge großenteils seltener Pflanzen hervorbringt, welche sich besonders an seiner südwestlichen Seite und auf den nur mit niedrigem Holze bewachsenen grasigen Anhöhen finden.”

 

Aber schon lange vor ihm hatten Johann Royer, der fürstlich braunschweigische Gärtner am Schloß Hessen (1648) und der braunschweigische Arzt Johann Chemnitius (1652) in Veröffentlichungen über besondere floristische Seltenheiten in der Asse berichtet.

Die besondere Artenvielfalt der Asse und ihre Ursachen

Immenblatt (Melittis melissophyllum) Immenblatt (Melittis melissophyllum)

Dies war der Grund für meine Frau und mich, bei unserer Mitarbeit für die Pflanzenkartierung Niedersachsens 1993 und 1994, die Asse ganz intensiv zu bearbeiten, um den Pflanzenbestand für den Asse- raum festzustellen. Wir notierten 643 Arten und konnten damit die besondere Artenvielfalt der Asse dokumentieren. Darunter fanden wir 102 gefährdete Arten (Rote Liste der gefährdeten Farn- und Blütenpflanzen in Niedersachsen und Bremen, 1993) und konnten damit auch die große Anzahl seltener Arten aufzeigen und so die Berechtigung der Hinweise vieler Botaniker der letzten 350 Jahre bestätigen. Sechs Arten fanden wir mit der Gefährdungskategorie 1 (vom Aussterben bedroht), von denen das Immenblatt (Melittis melissophyllum) und das Weiße Fingerkraut (Potentilla alba) in der Asse den einzigen Standort in Niedersachsen haben. Die anderen vier vom Aussterben bedrohten Arten kommen auch nur an 3-6 klimatisch und edaphisch ähnlichen Orten in Niedersachsen vor. Die Gründe für die überregionale botanische Bedeutung der Asse möchte ich kurz aufzeigen: Die Asse gilt als vom Zechsteinsalz steil aufgefalteter Schmalsattel. So wurden die Trias-Schichten (Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper) fast senkrecht aufgerichtet und bieten so in Nord-Süd-Richtung auf verhältnismäßig kleinem Raum sehr unterschiedliche Bodenarten (edaphische Faktoren). Außerdem ergeben sich durch die steilen Süd- und Nordhänge ganz unterschiedliche Pflanzenstandorte durch die Wärme der Sonneneinstrahlung und die Feuchtigkeitsunter-schiede durch schnellen Regenabfluß und Verdunstung. Schließlich liegt die Asse an der Grenze der subatlantischen und subkontinentalen Klimazonen und ermöglicht dadurch Pflanzenarten dieser Zonen, sich hier zu treffen; einige Arten finden in der Asse sogar die absolute Nord- bzw. Nordwestgrenze ihres Verbreitungsareals. So kommt zur Artenvielfalt und Seltenheit einiger Pflanzenarten auch noch die geobotanische Bedeutung der Asse. Die Wollkratzdistel (Cirsium eriophorum), der Blaue Gauchheil (Anagallis foemina) und der Blaurote Steinsame (Lithospermum purporocaeruleum) beispielsweise kommen u.a. im Elm nicht mehr vor.

Verschwundene Pflanzen

Zwar sind einige seltene Pflanzen schon Ende des neunzehnten Jahrhunderts verschol- len. Diese Hinweise verdanken wir Bertram (1894), der z.B. beim Kamm-Wachtelweizen (Melampyrum cristatum) “früher auch Asse” und beim Frühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis) “auf der Asse ausgerottet” angibt. Es war uns aber eine große Freude feststellen zu können, dass viele seltene Arten die Jahrhunderte überdauerten und heute noch in der Asse zu finden sind. Zu ihrem Schutz ist eine rücksichtsvolle Beachtung dieser uns verbliebenen Naturschätze unbedingt notwendig, wollen wir sie weiteren Generationen erhalten.

 

Leider sind allerdings auch in den letzten 50 Jahren noch einige ganz seltene Arten erloschen, obwohl der Asseverein, wofür wir ihm alle dankbar sein müssen, sich immer auch für Pflanzen- und Naturschutz eingesetzt hat. Zu den erloschenen Arten gehören der Blut-Storchschnabel (Geranium sanguineum), der Diptam (Dictamnus albus), der Langährige Klee (Trifolium rubens) und der Gelbe Zahntrost (Odontites lutea). Die drei letztgenannten Arten kommen nun in ganz Niedersachsen nicht mehr vor, was wiederum auf die herausragende botanische Bedeutung der Asse hinweist.

 

Aber gerade die seltenen Arten erscheinen nicht als Einsiedler, sondern zeigen sich in Pflanzengesellschaften, die etwa gleiche Ansprüche an Boden und Klima stellen. Dabei ist zu bedenken, dass einige dieser Gesellschaften in der Nähe der Arealgrenze ihrer Arten oft nicht mehr optimal ausgebildet sind, was die Notwendigkeit des Pflanzen- schutzes betont, da diese am Rande ihres Areals auch gegen Schädlinge, Klima- schwankungen und Standortveränderungen natürlich besonders anfällig sind.

Pflanzengesellschaften im Nordwesten der Asse

Nun zu einigen Pflanzengesellschaften: Im Nordwesten der Asse finden wir unterhalb des Falkenheims durch geologische Störungen dicht nebeneinander kleine Quellen mit Kalk-, Salz- und weichem Wasser. Hier konnte ich vor etwa 40 Jahren noch das Sumpf-Herzblatt (Parnassia palustris) als Kennart der Kalksümpfe fotografieren, leider ist diese schöne Pflanze und andere Arten der kalkreichen Kleinseggenrieder erloschen. Auch die Gesellschaft der Salzwiesen kommt hier nur noch als Relikt vor mit den im Binnenland stark gefährdeten Arten des Strand-Dreizacks (Triglochin maritimum), des Strand-Milchkrauts (Glaux maritima) und der Salz-Bunge (Samolus valerandi).

 

Wenn wir die Asse von der Nordwestecke in südlicher Richtung queren, treffen wir am Nordhang auf eine Form des Bärenlauch-Buchenwaldes. Er breitet sich an feuchteren Stellen mit dichten Bärlauchbeständen (Allium ursinum) und einigen Begleitarten wie Hohlem Lerchensporn (Corydalis cava), Gelbem Windröschen (Anemone ranunculoides), Hoher Schlüsselblume (Primula elatior) und Gelbem Eisenhut (Aconitum vulparia) aus.

 

Haben wir den nördlichen Muschelkalk-Kamm erreicht, finden wir eine Orchideen-Buchenwaldgesellschaft mit dem Weißen Waldvöglein (Cephalanthera damasonium), der Nestwurz (Neottia nidusavis), Sanikel (Sanicula europaea), Türkenbundlilie (Lilium martagon) und Aronstab (Arum maculatum). Besonders lichte, nach Süden abfallende Stellen zeigen Reste wärmeliebender Gesellschaften, die wir aber auf dem südlichen Assekamm in noch stärkerer Ausbildung finden werden.

 

Dann durchschreiten wir das Zechsteintal in der Mitte der Asse, das keine ausgeprägten Gesellschaften zeigt, wohl aber einigen interessanten Pflanzenarten wie dem Kicher- Tragant (Astragalus cicer) und der Schlitzblättrigen Stielsame (Scorzonera laciniata) Standorte bietet.

Fauna des südlichen Assekammes

Der Anstieg auf den südlichen Assekamm erfolgt durch den Hainsimsen-Buchenwald, der auf den sauren Böden des Buntsandsteins wächst. Er ist gegenüber den anderen Gebieten im Asseraum sehr artenarm und außer der namengebenden Schmalblättrigen Hainsimse (Luzula luzuloides) finden wir hier als Seltenheiten nur noch das Kleine Wintergrün (Pyrola minor) und an lichteren Stellen das Gefleckte Knabenkraut (Dactylorhiza maculata).

Schwarze Platterbse (Lathyrus niger)
Pfirsichblättrige Glockenblume (Campanula persicifolia)

Auf dem südlichen Muschelkalk-Kamm kommen wir in wärmeliebende Eichenmischwald-Gesellschaften, die alle in unserem nordwestdeutschen Raum zu den Seltenheiten zählen. Hier finden wir die Elsbeere (Sorbus torminalis), die Pfirsichblättrige Glockenblume (Campanula persicifolia), die Schwarze Platterbse (Lathyrus niger) und den Blauroten Steinsamen (Lithospermum purpurocaerulea).

 

Die anschließende Saumgesellschaft zeigt uns neben der Doldigen Wucherblume (Tanacetum corymbosum) die Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria), das Leberblümchen (Hepatica nobilis) und die Bergsegge (Carex montana).

 

Im Süden der Saumgesellschaft schließen sich Kalk-Halbtrockenrasen-Gesellschaften an, die einmal durch den Viehtrieb der Bauern entstanden. Leider sind durch Wegfall dieser Bewirtschaftungsart diese Triften einer starker Verbuschung ausgesetzt, die selbst durch “Pflegemaßnahmen” nur wenig gebremst werden kann. Siedeln hier doch eine Reihe schöner Charakterarten der Trockenrasen-Gesellschaften wie Golddistel (Carlina vulgaris), Gewöhnliches Sonnenröschen (Helianthemum ovatum), Sichel-Hasenohr (Bupleurum falcatum), Färberginster (Genista tinctoria) und einige seltene Gräser.

 

In Relikten sind die anschließenden Getreideunkrautgesellschaften auf Kalkböden zu erkennen. Seltenheiten wie Sommer-Adonisröschen (Adonis aestivalis), Ackerlichtnelke (Silene noctiflora) oder Kleiner Frauenspiegel (Legousia hybrida) können wohl nur bei extensiver Landwirtschaft überleben.

Einige der besonderen botanischen Kostbarkeiten habe ich aus Schutzgründen nicht in ihren Gesellschaften erwähnt – dafür bitte ich um Ihr Verständnis. Alle Heimatfreunde können stolz darauf sein, botanische Raritäten, die seit über 350 Jahren in der Asse bekannt sind und z.T. hier ihren letzten Standort in Niedersachsen haben, auch durch die Bemühungen des Heimatvereins erhalten zu haben. Deshalb wünsche ich dem Verein noch viele Jahre mit erfolgreichen Bemühungen für den Schutz und die Erhaltung der geschichtlichen und natürlichen Werte der Asse.

 

Walter Randig, Groß Vahlberg

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