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Aber schon lange vor ihm hatten Johann Royer, der fürstlich braunschweigische Gärtner am Schloß
Hessen (1648) und der braunschweigische Arzt Johann Chemnitius (1652) in Veröffentlichungen über besondere floristische Seltenheiten in der Asse berichtet.
Dies war der Grund für meine Frau und mich, bei unserer Mitarbeit
für die Pflanzenkartierung Niedersachsens 1993 und 1994, die Asse ganz intensiv zu bearbeiten, um den Pflanzenbestand für den Asse- raum festzustellen. Wir notierten 643 Arten und konnten damit die
besondere Artenvielfalt der Asse dokumentieren. Darunter fanden wir 102 gefährdete Arten (Rote Liste der gefährdeten Farn- und Blütenpflanzen in Niedersachsen und Bremen, 1993) und konnten
damit auch die große Anzahl seltener Arten aufzeigen und so die Berechtigung der Hinweise vieler Botaniker der letzten 350 Jahre bestätigen. Sechs Arten fanden wir mit der Gefährdungskategorie 1
(vom Aussterben bedroht), von denen das Immenblatt (Melittis melissophyllum) und das Weiße Fingerkraut (Potentilla alba) in der Asse den einzigen
Standort in Niedersachsen haben. Die anderen vier vom Aussterben bedrohten Arten kommen auch nur noch an drei bis sechs klimatisch und edaphisch ähnlichen Orten in Niedersachsen vor.
Die Gründe für die überregionale botanische Bedeutung der Asse möchte ich kurz aufzeigen: Die Asse gilt als vom Zechsteinsalz steil aufgefalteter Schmalsattel. So
wurden die Trias-Schichten (Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper) fast senkrecht aufgerichtet und bieten so in Nord-Süd-Richtung auf verhältnismäßig kleinem Raum
sehr unterschiedliche Bodenarten (edaphische Faktoren). Außerdem ergeben sich durch die steilen Süd- und Nordhänge ganz unterschiedliche Pflanzenstandorte durch
die Wärme der Sonneneinstrahlung und die Feuchtigkeitsunterschiede durch schnellen Regenabfluß und Verdunstung. Schließlich liegt die Asse an der Grenze der subatlanti-
schen und subkontinentalen Klimazonen und ermöglicht dadurch Pflanzenarten dieser Zonen, sich hier zu treffen; einige Arten finden in der Asse sogar die absolute Nord-
bzw. Nordwestgrenze ihres Verbreitungsareals. So kommt zur Artenvielfalt und Selten- heit einiger Pflanzenarten auch noch die geobotanische Bedeutung der Asse. Die Wollkratzdistel (Cirsium eriophorum), der Blaue Gauchheil (Anagallis foemina) und der
Blaurote Steinsame (Lithospermum purporocaeruleum) beispielsweise kommen u.a. im Elm nicht mehr vor.
Zwar sind einige seltene Pflanzen schon Ende des neunzehnten Jahrhunderts verschol-
len. Diese Hinweise verdanken wir Bertram (1894), der z.B. beim Kamm-Wachtelweizen (Melampyrum cristatum) “früher auch Asse” und beim Frühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis) “auf der Asse ausgerottet” angibt. Es war uns aber eine große Freude feststellen
zu können, dass viele seltene Arten die Jahrhunderte überdauerten und heute noch in der Asse zu finden sind. Zu ihrem Schutz ist eine rücksichtsvolle Beachtung dieser uns
verbliebenen Naturschätze unbedingt notwendig, wollen wir sie weiteren Generationen erhalten.
Leider sind allerdings auch in den letzten 50 Jahren noch einige ganz seltene Arten
erloschen, obwohl der Asseverein, wofür wir ihm alle dankbar sein müssen, sich immer auch für Pflanzen- und Naturschutz eingesetzt hat. Zu den erloschenen Arten gehören der Blut-Storchschnabel (Geranium sanguineum), der Diptam (Dictamnus albus), der
Langährige Klee (Trifolium rubens) und der Gelbe Zahntrost (Odontites lutea). Die drei letztgenannten Arten kommen nun in ganz Niedersachsen nicht mehr vor, was
wiederum auf die herausragende botanische Bedeutung der Asse hinweist.
Aber gerade die seltenen Arten erscheinen nicht als Einsiedler, sondern zeigen sich in
Pflanzengesellschaften, die etwa gleiche Ansprüche an Boden und Klima stellen. Dabei ist zu bedenken, dass einige dieser Gesellschaften in der Nähe der Arealgrenze ihrer
Arten oft nicht mehr optimal ausgebildet sind, was die Notwendigkeit des Pflanzen- schutzes betont, da diese am Rande ihres Areals auch gegen Schädlinge, Klima-
schwankungen und Standortveränderungen natürlich besonders anfällig sind.
Nun zu einigen Pflanzengesellschaften: Im Nordwesten der Asse finden wir unterhalb
des Falkenheims durch geologische Störungen dicht nebeneinander kleine Quellen mit Kalk-, Salz- und weichem Wasser. Hier konnte ich vor etwa 40 Jahren noch das Sumpf-Herzblatt (Parnassia palustris) als Kennart der Kalksümpfe fotografieren, leider
ist diese schöne Pflanze und andere Arten der kalkreichen Kleinseggenrieder erloschen. Auch die Gesellschaft der Salzwiesen kommt hier nur noch als Relikt vor mit den im Binnenland stark gefährdeten Arten des Strand-Dreizacks (Triglochin maritimum), des
Strand-Milchkrauts (Glaux maritima) und der Salz-Bunge (Samolus valerandi).
Wenn wir die Asse von der Nordwestecke in südlicher Richtung queren, treffen wir am Nordhang auf eine Form des Bärenlauch- Buchenwaldes. Er breitet sich an feuchteren Stellen mit dichten Bärlauchbeständen (Allium ursinum) und einigen Begleitarten wie
Hohlem Lerchensporn (Corydalis cava), Gelbem Windröschen (Ane- mone ranunculoides), Hoher Schlüsselblume (Primula elatior) und Gelbem Eisenhut (Aconitum vulparia) aus.
Haben wir den nördlichen Muschelkalk-Kamm erreicht, finden wir eine Orchideen-Buchenwaldgesellschaft mit dem Weißen Wald- vöglein (Cephalanthera damasonium), der Nestwurz (Neottia nidus- avis), Sanikel (Sanicula europaea), Türkenbundlilie (Lilium martagon) und Aronstab (Arum maculatum). Besonders lichte, nach Süden abfallende Stellen zeigen Reste
wärmeliebender Gesellschaften, die wir aber auf dem südlichen Assekamm in noch stärkerer Ausbildung finden werden.
Dann durchschreiten wir das Zechsteintal in der Mitte der Asse, das keine ausgeprägten
Gesellschaften zeigt, wohl aber einigen interessanten Pflanzenarten wie dem Kicher- Tragant (Astragalus cicer) und der Schlitzblättrigen Stielsame (Scorzonera laciniata) Standorte bietet.
Der Anstieg auf den südlichen Assekamm erfolgt durch den Hainsimsen-Buchenwald, der auf den sauren Böden des Buntsandsteins wächst. Er ist gegenüber den anderen
Gebieten im Asseraum sehr artenarm und außer der namengebenden Schmalblättrigen Hainsimse (Luzula luzuloides) finden wir hier als Seltenheiten nur noch das Kleine Wintergrün (Pyrola minor) und an lichteren Stellen das Gefleckte Knabenkraut (Dactylo-
rhiza maculata).
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Auf dem südlichen Muschelkalk-Kamm kommen wir in wärmeliebende Eichen- mischwald-Gesellschaften, die alle in unserem nordwestdeutschen Raum zu den Selten-
heiten zählen. Hier finden wir die Elsbeere (Sorbus torminalis), die Pfirsichblättrige Glockenblume (Campanula persicifolia), die Schwarze Platterbse (Lathyrus niger) und den Blauroten Steinsamen (Lithospermum purpurocaerulea).
Die anschließende Saumgesellschaft zeigt uns neben der Doldigen Wucherblume (Tana- cetum corymbosum) die Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria), das Leberblüm- chen (Hepatica nobilis) und die Bergsegge (Carex montana).
Im Süden der Saumgesellschaft schließen sich Kalk-Halbtrockenrasen-Gesellschaften an, die einmal durch den Viehtrieb der Bauern entstanden. Leider sind durch Wegfall
dieser Bewirtschaftungsart diese Triften einer starker Verbuschung ausgesetzt, die selbst durch “Pflegemaßnahmen” nur wenig gebremst werden kann. Siedeln hier doch
eine Reihe schöner Charakterarten der Trockenrasen-Gesellschaften wie Golddistel (Carlina vulgaris), Gewöhnliches Sonnenröschen (Helianthemum ovatum), Sichel- Hasenohr (Bupleurum falcatum), Färberginster (Genista tinctoria) und einige seltene
Gräser.
In Relikten sind die anschließenden Getreideunkrautgesellschaften auf Kalkböden zu erkennen. Seltenheiten wie Sommer-Adonisröschen (Adonis aestivalis), Ackerlichtnelke (Silene noctiflora) oder Kleiner Frauenspiegel (Legousia hybrida) können wohl nur bei
extensiver Landwirtschaft überleben.
Einige der besonderen botanischen Kostbarkeiten habe ich aus Schutzgründen nicht in ihren Gesellschaften erwähnt – dafür bitte ich um Ihr Verständnis. Alle Heimatfreunde
können stolz darauf sein, botanische Raritäten, die seit über 350 Jahren in der Asse bekannt sind und z.T. hier ihren letzten Standort in Niedersachsen haben, auch durch
die Bemühungen des Heimatvereins erhalten zu haben. Deshalb wünsche ich dem Verein noch viele Jahre mit erfolgreichen Bemühungen für den Schutz und die Erhaltung der geschichtlichen und natürlichen Werte der Asse.
Walter Randig, Groß Vahlberg
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