HEIMAT- UND VERKEHRSVEREIN ASSE

Die Asseburg

Die Zahl der Burgen in Deutschland ist fast unübersehbar. Daher wird Deutschland auch das Land der Burgen genannt. Einige hundert Burgen sind noch heute bewohnt, die meisten jedoch sind zerstört, und nur ihre Ruinen sind Denkmäler vergangener Geschichtsepochen. So auch die Asseburg, deren Zerstörung im Jahre 1492 erfolgte.

Die Burg wurde 1218 von Gunzelin von Wolfenbüttel (geboren 1170 - gestorben 1254) als Höhenburg erbaut. Es sollte ein leicht zu verteidigender Wohnsitz sein. Die Fläche betrug 7.200 qm und damit war die Asseburg eine der größten Burgen in Nord- deutschland. Aber bereits der Bau brachte Schwierigkeiten. 1220 legte  Papst Honorius III. Einspruch  gegen den Bau der Burg ein

und verlangte sogar deren Niederreißung. Über diesen Spruch setzte sich jedoch Gunzelin, eine machtvolle Persönlichkeit, hinweg und errichtete die Stammburg des Geschlechts Asseburg.

Bis zum Jahre 1258 war die Burg im Besitz der Asseburger. Den Kampf um die Asseburg erlebte Gunzelin nicht mehr.
Im Streit mit den Herzögen von Braunschweig wird 1255 zuerst Wolfenbüttel angegriffen und die Wasserburg zerstört. Danach wenden sich die Truppen der Asseburg zu. Die Burg wird belagert.

Gunzelins ältester Sohn Busso verteidigt die Burg zäh. Die Belagerung durch die herzoglichen Truppen dauert lange an und kostet viel Geld. Da aber auch keine Unterstützung für die Asseburger zu erkennen ist, wird in Verhandlungen zwischen Busso und dem Herzog Albrecht die Burg im Winter 1258 für 400 Goldmark und freien Abzug übergeben.

Bis zum Jahre 1331 bleibt die Asseburg im herzoglichen Besitz und bildet einen Ver- waltungsmittelpunkt und Landsitz. Finanzielle Schwierigkeiten des Herzogtums führen dazu, dass die Burg ab 1331 bis 1392 in den Pfandbesitz der Stadt Braunschweig übergeht.

In den Zeiten von 1371 bis 1374 und 1381 bis 1392 erfolgt eine Unterpfändung. Unter anderem gelangt die Burg von 1382 bis 1384 auf diesem Wege wieder unter die Verwal- tung der Asseburger.

Von 1392 bis 1406 übernimmt das Herzogtum wieder die Asseburg von der Stadt Braunschweig. Nach einem Streit gerät der Herzog in Gefangenschaft und kommt nur gegen ein Lösegeld frei. Die Stadt Braunschweig zahlt das Lösegeld und erhält dadurch 1406 wieder den Pfandbesitz über die Burg.

Im Jahre 1492 fordern die Welfen nach einer Erbteilung alle Hoheitsrechte und Besit- zungen zurück. Doch der Rat der Stadt Braunschweig weigert sich. Mit einem großen Heer rückt der Herzog August 1492 zum Sturm auf die sich widersetzende Stadt. Alle verfügbaren Männer werden zur Verteidigung der Stadt benötigt.

Auch die Besatzung der Asseburg wird nach Braunschweig gebracht. Nur einige Männer bleiben zurück und zünden am 12. August 1492 die Asseburg an. Drei Tage brennt die Burg. Dann versinkt die stolze Festung, die nie erobert wurde, in Schutt und Asche.

Der Streit zwischen dem Herzogtum und der Stadt Braunschweig endet mit einem Ver- gleich. Darin verpflichtet sich die Stadt Braunschweig unter anderem, die Asseburg innerhalb von sechs Jahren aufzubauen.

Seit mehr als 500 Jahren ist die Asseburg eine Ruine. Regen, Schnee und Eis zerstören das Mauerwerk. Aber auch die Bewohner der Assedörfer haben viele Steine von der ehe- mals großen Wehranlage zum Bau oder zur Ausbesserung des Hauses geholt.

Die Ruine hat in der Stille des Assewaldes manche stürmische Zeit überstanden. Ein Ereignis rückte sie jedoch für kurze Zeit in den Blickpunkt: Eine Hochzeitsgesellschaft unternahm am 14. Juni 1733 einen Nachmittagsausflug in den Assewald, und an der Burgruine wurde Picknick abgehalten. Es war die Vermählung der Prinzessin Elisabeth Christine vom Schloß Salzdahlum mit dem Kronprinzen Friedrich von Preußen (später der Alte Fritz genannt).

Die 1892 gegründete “Assegesellschaft” (heute Heimat- und Verkehrsverein Asse) ist bemüht, die Bedeutung dieser umfangreichen Befestigungsanlage zu erforschen. Von ihr werden auch die Sicherungs- und Renovierungsarbeiten an der Ruine durchgeführt.

Rainer Krämer, Wittmar

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Die Asseburg – eine Sage

Auf der Asse stand in uralten Zeiten eine feste Burg, von welcher heute nur noch die Trümmer zu sehen sind. Als die Burg einst von dem braunschweigischen Herzoge belagert und eingeschlossen war, hatten die Belagerten anfangs keine Not; denn durch den unterirdischen Gang, der von Wolfenbüttel nach der Asseburg führte, wurden ihnen immer neue Lebensmittel zugebracht. Als dann aber die Feste an der Oker auch eingenommen und gebrochen war, gerieten die Burgleute doch in Not; denn ihre Vorräte waren allmählich aufgezehrt.

Sorgenvoll durchwanderte der Graf Busso die leeren Ställe und Vorratskammern und schaute unmutig vom hohen Turme ins feindliche Lager hinein. Sollten die braun- schweigischen Fahnen doch noch von den Zinnen seines Hauses wehen? Sollte der Wolf doch noch vor dem Löwen zu Kreuze kriechen, besiegt nur durch den Hunger? Da fiel sein Blick auf den Ziegenbock, der im verwilderten Burghofe das Gras fraß, und plötz- lich kam ihm ein glücklicher Gedanke. Seine Miene erhellte sich, rasch eilte er hin- unter, um mit dem Koch eine lange Beratung zu halten.

Tags darauf erhob sich auf der Burg ein lustiges Getöne, als würde dort ein frohes Fest gefeiert. Verwundert horchten die Braunschweiger hinauf; jetzt sahen sie eine weiße Fahne auf dem Thorturme wehen, die Fallbrücke rasselte nieder, und ein Ritter trat hervor, von einem Knappen gefolgt, der einen großen, verdeckten Korb trug. Sie wand- ten sich dem herzoglichen Zelte zu. Hier überreichte der Abgesandte dem Fürsten im Namen seines Herrn einen feisten Rehbraten mit dem Bemerken, daß Busso freund- nachbarlich bereit sei, dem Herzoge noch mehr dergleichen zu senden, wenn er es begehre.

Das war denn doch zu arg ! Sollte der listige Busso, nachdem ihm alle Pässe verhauen waren, doch noch Gelegenheit haben, ein Wildbret zu erjagen, daß selbst auf des Herzogs Tafel selten war? Als so der Fürst sah, daß er gegen den schlauen Asseburger nichts ausrichten konnte, befahl er voll Unmuts den Abzug. Bald bemerkten die lauernden Burgmannen die Anstalten der Braunschweiger zum Aufbruch und erhoben ein weithin schallendes, höhnisches Gelächter; denn der vermeintliche Rehbraten stammte von dem Ziegenbocke her, der weidmännisch zerlegt war, und dessen Keulen man mit etlichen Rehhaaren von einer alten Decke bestreut hatte. Insbesondere hob der Koch jetzt spöttisch den Ziegenbart in die Höhe und sprang lachend umher. Da erkannte der Herzog den Betrug. Ergrimmt über den Hohn, ordnete er einen neuen Sturm an, und nach hartnäckigem Kampfe wurde die Burg genommen.

Herrmann Voges
(Bilder aus dem Herzogtume Braunschweig von 1894)